Projektskizze der geplanten Dissertation

 

Promotionsstudent:

Dipl.-Ing. agr., Klaus Knösel

 

Betreuender Hochschullehrer:

Prof. Dr. Thomas Rath

Leibniz Universität Hannover, Naturwissenschaftliche Fakultät, Institut für Biologische Produktionssysteme, Fachgebiet Biosystem- und Gartenbautechnik (BGT), Herrenhäuser­straße 2, 30419 Hannover

 

Thema:

Ermittlung des Wärmeverbrauchsverhaltens von Niedrigenergiegewächshäusern unter besonderer Berücksichtigung der latenten Wärmeströme im Nachtbetrieb

 

Kurzbeschreibung:

Für die Zierpflanzenproduktion unter Glas im Winterhalbjahr ist in Mitteleuropa der Einsatz von Wärmeenergie zur Beheizung der Gewächshäuser erforderlich. Maßgeblich werden dafür fossile Energieträger eingesetzt. Die zunehmende Nachfrage z.B. nach Heizöl und Erdgas führt zu immer höheren Energiepreisen. Ein weiteres Problem stellt die mit der Energieerzeugung freigesetzte CO2-Emmission in Bezug auf zu erwartende Klimaveränderungen dar.

 

Mit dem Projekt ZINEG (ZunkunftsInitiativeNiedrigEnergieGewächshaus) soll untersucht werden, inwieweit sich der Primärenergieverbrauch durch geeignete Verfahren senken lässt. Neben neuen Kulturverfahren (Integrationsstrategien) werden besonders Änderungen an der Gewächshaushülle untersucht, die die Lichtdurchlässigkeit erhöhen (spezialbeschichtete Gläser) und durch spezielle Isoliermaßnahmen und ein Solarspeichermodul den spezifischen Energieverbrauch je Pflanze senken sollen.

 

Hieraus ergeben sich für die klimatischen Umgebungsvariablen wie z.B. Temperatur, Luftfeuchtigkeit und CO2-Gehalt deutliche Veränderungen zu den bisherigen üblichen Produktionsverfahren. Durch stark verbesserte Isolation des Systems Gewächshaus treten als Folge höhere Wasserdampfmengen und damit größere latente Energieanteile an der Gesamtenthalpie der Luft auf, die bei Entfeuchtungsmaßnahmen über die Lüftung zusätzlich verloren gehen.

 

Zur Beschreibung des Energieverbrauchverhaltens von verschiedenen Gewächshauskonstruktionen, wie z.B. Venlo- und Normgewächshäusern,  wurden in der Vergangenheit viele Untersuchungen des Wärmeverbrauchsverhaltens durchgeführt. Die resultierende Größe war dabei der Wärmeverbrauchskoeefizient U‘, der den flächenbezogenen Wärmeverbrauch in Abhängigkeit von der Temperaturdifferenz zwischen der Innen- und Außentemperaturkeit abbildet.

 

Bedingt durch die Transpiration der Pflanzen, die tagsüber eine wichtige Antriebsgröße der Photosynthese und der Blattkühlung  ist, werden erhebliche Wasserdampfmengen an die Luft abgegeben. Hierdurch erhöht sich der Energiegehalt durch den latenten Energieanteil des Wasserdampfs zusätzlich. Außerdem findet  eine beachtliche nächtliche Transpiration der Pflanzen statt, die ebenfalls energierelevant ist, als treibende Größe jedoch nicht die Einstrahlung beinhaltet.

 

Bisher gingen die pflanzenbedingten latenten Energieumsätze nur implizit in die Wärmeverbrauchsmodelle ein, für den Bereich der Tagestranspiration wurden die Berechnungen mit einem Verdunstungsfaktor (Eta) korrigiert. Die latenten Energieumsätze in der Nacht sind also Bestandteil des Wärmeverbrauchskoeefizienten U‘ und darin größenordnungsmäßig nicht näher spezifiziert.

Ziel der Promotion ist die empirische und modellhafte Beschreibung der latenten Energie- und Massenstrome und damit auch die Quantifizierung der Energieflüsse, die durch die Transpiration der Pflanzen entstehen. Ein zu entwickelndes Rechenmodell soll darauf aufbauend für vorgegebene klimatische Umgebungsbedingungen und entsprechender Sollwerteinstellungen für z.B. Temperatur und Luftfeuchte die Energieumsätze berechnen können, die als Entscheidungshilfe für die Einstellung und dynamische Verstellung von Sollwerten in Klima-Regel-Computern bei verschiedenen Entfeuchtungsstrategien dienen sollen.  Da die relevanten Einflussgrößen zunächst in der Versuchsanlage ZINEG ermittelt und getestet werden, muss ein wesentliches  Ziel die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Betriebssituationen (Gewächshauskonstruktionen, Zierpflanzenkulturen) sein.     

 

Zur Realisierung ist die getrennte Betrachtung der klimatischen Umgebungsbedingungen von Tages- und Nachtbedingungen notwendig, da die nächtliche Transpiration auf Grund fehlender Einstrahlung anderen Gesetzmäßigkeiten folgen muss.

 

Beispielhaft soll durch vergleichende Energieverbrauchsmessungen an den ZINEG-Gewächshäusern mit und ohne Pflanzen der zusätzliche Energieumsatz durch die pflanzliche Transpiration ermittelt werden. Voraussetzung dafür ist die Bestimmung  der klimatischen Umgebungsvariablen sowie die Beschreibung der Quellen und Senken, die für die Phasenwechsel des Wassers und somit für den Energieumsatz verantwortlich sind.